HafenCity – Quo vadis? 01.01.2006


Die Idee einer HafenCity für Hamburg ist hervorragend - da gehen die Meinungen wohl nicht stark auseinander.
Eine schöne Vision.
Die Medien berichten oft euphorisch.
Die Nachfrage seitens der Investoren nach Grundstücken ist groß.
Die ersten Ansätze sind bereits erkennbar. Die Front gegenüber der Speicherstadt am Sandtorkai ist fast fertig.
Ebenfalls stehen schon einige Gebäude am Dalmannkai.
Und die Magellanterrassen wurden im Sommer 2005 eingeweiht.
Die Planungen des Projektes sind weiter vorangeschritten als erwartet.

Die Hafencity – eine Erfolgsstory?

Ist es nicht an der Zeit, einmal inne zu halten?

Sandtorkai | Foto: Karsten Breckwoldt 


Ehrlich gesagt, was ich bisher sehe, enttäuscht mich sehr.

Allein die Magellanterrassen strahlen ein freundliches, südländisches Flair aus.
Auf mich macht die Architektur am Sandtorkai und am Dalmannkai einen kühlen, sterilen, klotzigen und distanzierten, unnahbaren Eindruck.
Sie wirkt eintönig und langweilig.
Die geraden Linien und Strukturen werden den Wind, der hier an manchen Tagen ziemlich heftig weht, in seinem Spiel unterstützen.

Die Schautafeln vor den Arealen, die in Bau sind oder demnächst gebaut werden, zeigen auch kein anderes Bild von der Architektur.

Werden hervorragende Glanzpunkte und Geniestreiche wie die Elbphilharmonie oder die Living Bridges ausreichen, um die HafenCity populär werden zu lassen?

Werden sich die Menschen hier wohl fühlen?

Oder entwickelt sich die HafenCity gar zu einem städtebaulichen Desaster?

 
     
 
 

Das schönste bisher existierende Gebäude der HafenCity ist für mich das alte Strom- und Hafenbauamt.

Beim Betrachten des Gebäudes kann man seine Phantasie spielen lassen.
Efeu rankt an den Wänden hoch.
Eine alte Brücke verbindet die Gebäudeteile.
Und es gibt ein Türmchen mit einer schönen Uhr.
Wird hier irgendwo gleich Dornröschen am Fenster erscheinen?

Ich schließe meine Augen, klettere in Gedanken auf das Türmchen, schaue mich um -
und träume von einer anderen HafenCity:

 
Strom und Hafenbauamt | Foto: Karsten Breckwoldt  
Von einer HafenCity, deren Gestaltung keinen Kontrast zur historischen Speicherstadt aufweist, sondern eine Fortführung dieser „romantischen Architektur“ in modernem Gewand erfährt.
Eine Gestaltung, die von einer Stadt inspiriert ist, mit der Hamburg eine Seelenverwandtschaft verbindet –

Venedig.
 
   
 
Die HafenCity liegt am Wasser.
Die HafenCity hat mit etwas Phantasie von oben gesehen eine ähnliche Form wie Venedig.
Die HafenCity wird ähnlich viele Menschen beherbergen (Bewohner und Arbeitsplätze), wie Venedig Einwohner hat.
In Hamburg ist ein mediterraner Charme an vielen Orten erkennbar
(s. www.hamburger-riviera.de).

Liegt es da nicht nahe, dass die Gestaltung der HafenCity eine venezianische Inspiration erfährt?
Wohlgemerkt keine Reproduktion, sondern eine Inspiration, wie sie z.B. den Alsterarkaden oder der alten Post in der Innenstadt zugrunde liegt.
 
 
Vogelperspektive Venedig / Hamburg-HafenCity | Quelle: Google Earth  
 

Eine etwas verspielte, verwinkelte, liebliche und doch funktionale Gestaltung.
Eine Gestaltung, die die Phantasie der Menschen anregt.

Eine Gestaltung, die aus Türmen, Brücken, Piazzen, Gärten, Parks, Springbrunnen, verwinkelten Strassen, Arkaden, Palais, verwinkelten Gebäuden, runden Gebäuden, Gebäuden mit Kuppeln besteht.
Eine Gestaltung, zu der neben den geplanten Kultur-,Bildungs-, Freizeit- und Gastronomie-Einrichtungen z.B. auch
Kirchen (Seefahrerkirche),
eine Markthalle für den Endverbraucher mit einem großen Angebot an frischem Fisch,
ein Freilufttheater mit verschließbarem Dach,
Skulpturenalleen,
ein Startplatz für Heißluftballons,
Plätze mit einer Speakers Corner, die zum Diskutieren und Debattieren einladen,
kleine, feste Bühnen für Straßenmusik und Straßentheater, gehören.

Eine Gestaltung, in der ein Künstler- und Modeviertel mit Galerien, Ateliers und Designermodeläden auf keinen Fall fehlen darf.
Einem Viertel, in dem es Spaß macht abends zu bummeln und zu schauen.
Die Kunst und Mode könnte auch die Kreativität der dort arbeitenden Menschen beflügeln.

Überhaupt - könnte die HafenCity nicht ein Ort voller Inspiration und Innovation werden?
Ein Ort, an dem Wirtschaft, Kunst, Wissenschaft, Religion, Philosophie und Politik zusammen treffen.
Ein Ort in der Stadt, an dem vielleicht sogar auch neue Arbeits- und Lebensformen ausprobiert werden können.

Die HafenCity - ein innovativer und kreativer Stadtteil mit lieblichem Flair als eine Keimzelle im „Land der Ideen“.

Alles nur ein Traum.

Hafen City – quo vadis?

 
       
       
  Karsten Breckwoldt
Metropol Fotografie | Expressive Malerei
  |  Web Design  
www.hamburgvisions.com